So finden Sie die richtigen Skischuhe

Freerides Kaufguide entwickelt sich weiter und bietet heute nützliche Informationen, die Sie anwenden können, wenn Sie sich neue Skischuhe zulegen.

Hatten Sie schon mal Schmerzen in den Füßen, als Sie Ski gefahren sind? Krämpfe gefühlt? Kalte Zehen gehabt? Die Mehrheit aller Skifahrer hat das schon erlebt und in den meisten Fällen liegt es an zu großen Skischuhen. Allerdings sollte man auch nicht zu kleine Skischuhe haben, sodass man die Zehe nicht mehr bewegen kann oder sogar das Gefühl hat, dass die Skischuhe den Fuß zusammen drücken. Das kann zu ernsthaften Schmerzen in den Füßen führen.

Der Grund, warum Leute zu große Skischuhe kaufen liegt daran, dass sie die Skischuhe anprobieren wie gewöhnliche Schuhe. Man denkt, dass der Skischuh eine Nummer größer besser sitzt, wenn man ihn im Laden anprobiert, aber das führt nur dazu, dass Sie gezwungen werden, die Skischuhe enger zu schließen. Wenn Sie die Skischuhe zu eng um den Fuß schließen, klemmen Sie sich den Fußballen ab und unterbrechen so die Blutversorgung, welches zu Krämpfen und kalten Zehen führt. Wenn Sie stattdessen einen Skischuh wählen, der so klein ist, dass Sie gerade so Ihren Fuß runterdrücken können, dann brauchen Sie einfach nur den Skischuh locker zu schließen, damit er wie angegossen sitzt. Um die perfekte Passform herauszufinden, müsste man in einer leeren Skischuh-Schale stehen, Gips in den Skischuh gießen und ihn aushärten lassen. Im Gegensatz zu gewöhnlichen Schuhen, sind größere Skischuhe also NICHT bequemer und definitiv NICHT wärmer, da man die Verschlüsse zu hart spannen muss und sich somit alles abklemmen würde.

  • Innenschuh – Des Skischuhs innerer Teil, sieht aus wie ein hoher Boxschuh
  • Zunge – Oberer Teil des Innenschuhs
  • Manschette – Sorgt für eine enge Passform zwischen Schienbein und Zunge
  • Schnallen – verschließen den Skischuh
  • Schale – die Außenschale aus Plastik
  • Außensohle – (Außen am Skischuh) Teilweise aus Gummi, dieser gibt dir besseren Grip auf den Weg zum Lift oder während des Tanzes beim Afterski
  • Sohle – Liegt in der Schale. Kann aus verschiedenen Materialien bestehen für verschiedene Eigenschaften

 

Wie weiß ich, dass der Skischuh wirklich richtig sitzt?

Der Skischuh sollte eng sein, aber nicht quetschen oder an einem bestimmten Punkt drücken. Die Zehe sollte sich etwas krümmen, wenn man gerade steht, aber wenn man sich etwas nach vorne in Skiposition neigt, bewegen sich die Zehen einige Millimeter nach hinten und hinterlassen somit einen kleinen Zwischenraum. Die Ferse sollte fest fixiert sein, so dass sich die Ferse nicht anhebt, wenn Sie sich im Skischuh ”auf die Zehe” stellen. (Dies erfordert im Grunde, dass Sie eine geformte Innensohle anfertigen lassen haben.)

Welchen Flex brauche ich?

Alle Skischuhe sind gekennzeichnet mit einer Zahl, welche den Flex angibt.
Der Flex ist der Widerstand (Steifigkeit) des Skischuhschaftes nach vorne. Die Zahl variiert oft zwischen 60 und 100 für Damen, und von 70 bis 140 für Herren. Desto höher die Zahl, desto steifer der Skischuh. Natürlich existieren härtere und weichere Skischuhe als diese hier. Die Zahl  ist sehr unwissenschaftlich und es liegt an dem Hersteller, seine eigene Methode zum Messen zu finden. 90 Flex bei dem einen Hersteller entspricht vielleicht 110 bei den anderen Herstellern. Wissenswert ist, dass ein hohes Körpergewicht in Kombination mit einer guten Skitechnik bedeutet, dass man einen steiferen Skischuh wählen sollte. Gegenteilige Eigenschaften brauchen einen leichten Skifahrer, der Anfänger ist. Am Ende geht es darum, wie viel Kraft wir beim Skifahren entwickeln. Ein routinierter, erfahrener und leichter Skifahrer, der keinen aggressiven Fahrstil hat, kann daher einen etwas weicheren Flex wählen.

Fahrstil und Einsatzgebiete  in denen wir die Skischuhe anwenden wollen, ist ebenso ausschlaggebend. Für Jibbing und verspieltes Skifahren will man einen etwas weicheren Skischuh, für steinharte Pistenabfahrten benötigt man einen eher stabilen Skischuh und fürs Freeriding will man generell eher harte Skischuhe.
Ein zu weicher Skischuh zeichnet sich dadurch aus, dass man zu wenig halt im Schuh hat, dass man gegen den Flex arbeitet und der Skischuh sich fast über den Fuß ”faltet”. Dass man einen zu harten Skischuh wählt kommt öfter vor, insbesondere Männer, die ihre eigenes Skikönnen überschätzen. Ein zu harter Skischuh lässt uns nicht mit dem Flex arbeiten, und hält Sie zurück, was zur Folge hat, dass Sie Ihre Skier nicht optimal nutzen können. Sie landen oft im Rücksitz, dass heißt Ihre Position ist weiter hinten auf den Skiern, welches Ihre Fähigkeit zu schwingen und zu steuern beeinträchtigt.

Man sollte sich generell nicht zu sehr mit den Flexzahlen beschäftigen, da sie meistens nur grob geschätzt sind und weit weg von der wichtigsten Eigenschaft sind, nach der man Ausschau halten sollte. Außerdem ist es unglaublich schwer, den Flex der Skischuhe im Laden zu testen. Der Grund ist, dass Plastik versteift, wenn es kalt wird. Im Laden ist der Skischuh bei +20 Grad und auf der Piste ist es mindestens 20-30 Grad kälter. Das heutige Material in den Skischuhen versteift sich sehr, wenn sie nach draußen in die Kälte kommen und deswegen ist es nicht ungewöhnlich, dass ganz harte Skischuhe sich wie Pantoffeln anfühlen, wenn man sie im Laden anprobiert. Vermeiden Sie es deswegen, sich auf eine Flexzahl zu konzentrieren, entscheiden Sie stattdessen, ob Ihr Skischuh weich, mittelsteif oder hart sein soll und lassen Sie sich vom nächsten Skischuh-Spezialist beraten.

Geformter Innenschuh oder nicht?

Die Skischuhe zu erwärmen gibt eine leichte Verbesserung der Passform, das heißt, Sie müssen die Skischuhe für ein oder zwei Wochen einfahren. Eine großartige Verbesserung tritt nicht ein und das Wort geformt könnte zutreffen im Zusammenhang mit der Veränderung. Wenn Sie die beste Passform erreichen wollen, sollten Sie über einen geformten Innenschuh nachdenken. Gehen Sie in ein Skigeschäft und besorgen Sie sich eine passende, leere Schale eines Skischuhs. Dann nehmen Sie einen Innenschuh und setzen ihn in die Schale, anschließend steigen Sie mit einem Fuß hinein und schließen den Skischuh. Mit Schläuchen wird man nun einen Schaum in den Skischuh geben der sich schnell aushärtet. Danach besitzen Sie einen maßgeschneiderten Innenschuh.

Zwei- oder Dreiteiliges Schalendesign?

Heutzutage gibt es zwei verschiedene Arten von Schalen zwischen denen man wählen kann. Das dreiteilige Schalendesign ist eine Konstruktion, die es in der Skiwelt schon lange gibt, aber es hat jetzt ein richtiges Comeback gemacht. Während ein traditionelles zweiteiliges Schalendesign aus einem Fußteil und einem Schaft besteht, hat ein dreiteiliger Skischuh ein Fußteil, einen Rücken und über dem Schienbein und der Oberseite des Fußes eine auswechselbare Zunge. Der dreiteilige Skischuh hat mehrere Vorteile, zum Beispiel dass er einen ausgewogenen Flex hat, was besser für das Freeriding und fahren im Funpark geeignet ist. Außerdem ermöglicht das eine gleichmäßigere Entlastung für das Schienbein, da es meistens schonender für das Schienbein ist.  Weil der Flex in den meisten Fällen in der Zunge sitzt, ist es möglich, die Zunge der meisten Modelle gegen eine weichere oder steifere auszutauschen. Sie können natürlich die Steifheit des Skischuhs nach eigenem Geschmack einstellen. Es ist dennoch nicht ratsam, einen dreiteiligen Skischuh einfach zu testen, die Passform ist um Längen wichtiger als der Konstruktionstyp, und darum sollte es in erster Linie gehen.

Was bedeutet Leistenbreite?

Die Skischuh-Hersteller geben meistens die Leistenbreite des Skischuhs an, damit ist die Leistenbreite am breitesten Punkt des Skischuhs gemeint. Somit kann man grob abschätzen, ob der Skischuh einem eher schmalen oder breiten Fuß passt. Die Zahl ist meistens angegeben wie die üblichen Skischuh-Größen und oft kann man sich darauf nicht verlassen. Was nicht angegeben ist, ist die Höhe der Leiste, das Innenvolumen, die Breite des Fersen- und Zehenbereichs. Wenn Sie nicht wissen, was Ihr Fuß benötigt, sollten Sie sich Hilfe bei einem Skischuh-Experten in Ihrem Skischuh-Geschäft suchen.

Um die beste Leistungsfähigkeit des Skischuhs zu bekommen ist es wichtig, die richtige Kleidung am Fuß zu haben. Eine dünne Socke mit einem hohen Gehalt an Merinowolle (mindestens 50%) ist immer die beste und wärmste Option. (Eine dicke Socke macht Ihren Fuß nicht wärmer und sich doppelte Socken anzuziehen bringt auch nichts.) Merinowolle hat die gute Eigenschaft, dass sie nicht juckt und Bakterien darauf nicht leben wollen. Somit können Sie die Socken mehrere Tage tragen, ohne dass sie riechen.

Halbe Größen existieren nicht bei Skischuhen

Manchmal kann es schwer sein die richtige Länge des Skischuhs zu wählen, also die Größe. Skischuh-Größen werden in Mondopoint-Größen angegeben, das ist das Innenmaß des Skischuhs in Zentimeter. Wie zum Beispiel 25,5,  26,5, 27,5 usw. Und nicht die klassischen Schuhgrößen wie EUR 41, 42, 43 usw. Eine Sache, die speziell bei Skischuhen ist, ist dass die Hersteller es sich nicht leisten können, die Skischuh-Form in Halbgrößen produzieren zu lassen. Die Größen sind deswegen in der Regel 1 cm kürzer oder länger. Eine halbe Größe besitzt stattdessen ein Innenschuh, der etwas mehr Material enthält, welches sich gut im Skischuh-Geschäft anfühlt, Ihnen aber auf langer Sicht nicht weiter hilft. Des Innenschuhs formbares Material nutzt sich sowieso nach einigen Tagen des Fahrens ab. Denken Sie deswegen genau nach, wenn Sie an der Grenze einer ganzen Größe liegen.

Die Sohle des Skischuhs

Um Krämpfe zu vermeiden, braucht auch der Fuß eine gute Unterstützung. Schuhe fürs Wandern, Laufen und anderen Aktivitäten haben oft eine solche Schuheinlage eingebaut, um den Fuß zu unterstützen und existieren in den verschiedensten Varianten. Der Boden deines Skischuhs ist allerdings komplett flach und besitzt nur eine Sohlen-Attrappe. Eine neue, angepasste Sohle mit Hohlfuß-Stütze ist ein absolutes Muss. Diese beugt nicht nur Krämpfen vor und gibt deinem Fuß mehr Wärme, sie verbessert auch die Leistung des Skischuhs, da Sie korrekt im Skischuh stehen und eine maximale Kraftübertragung stattfindet.

In allen modernen Skigeschäften heutzutage ist es mehr oder weniger üblich eine angepasste Sohle anzufertigen. Eine angepasste Sohle kostet fast 100€, aber hält mehrere Jahre. Für Jugendliche und Kinder, die noch im Wachstum sind, kann es sehr umständlich und kostspielig werden, jedes Jahr eine neue Sohle anfertigen zu lassen. In den meisten Sportgeschäften gibt es Sportsohlen mit etwas mehr Hohlfuß-Stütze, die sowohl in Skischuhen als auch in Sportschuhen eingesetzt werden können und die Investition definitiv wert sind.

Was ist ein Booster Strap?

Ein Booster Strap ist ein Gurt, den Sie zu Ihren Skischuhen dazu kaufen können. Es ist ein elastischer Gurt, welcher den vorhandenen Klettverschlussgurt ersetzt. Die Sache mit dem Gurt ist, dass sie teilweise selbstschließend sind, die man richtig hart zuziehen muss, aber meistens sind sie etwas elastischer. Der Effekt ist eine engere Passform und bessere Kraftverteilung zwischen Schienbein und Skischuh, sowie ein biegsamerer Flex. Ein nützlicher Nebeneffekt ist auch, dass der Gurt das Schienbein und die Knochenhaut vor Schmerzen verschont. Viele Hersteller haben heute eigene Varianten der elastischen Gurte und du findest heutzutage unterschiedliche Lösungen für die meisten Hersteller-Modelle mit unterschiedlichen Effekt und Konstruktionslösung.

Meine Skischuhe sind zu eng, was soll ich tun?
Ein gutes Skigeschäft hat eine Werkstatt, um Skischuhe zu justieren. Da die meisten Skischuhe aus Plastik sind, kann man ganz viel daran verändern. Ein oder zwei Justierungen sind normalerweise im Preis mit inbegriffen beim Kauf der Skischuhe. Man sollte es dennoch vermeiden Änderungen in den ersten 10-14 Tagen, in denen man fährt, vorzunehmen da der innere Schuh in diesem Zeitraum noch dabei ist, sich anzupassen – es sei denn, eine Justierung der Skischuhe ist unbedingt erforderlich. Zum Beispiel dann, wenn Sie von Anfang an sehen, dass die harte Plastikschale an einem bestimmten Punkt zu klein ist.

Der einfachste und beste Rat für Skischuh-Käufer ist, zu einem richtigen Skigeschäft zu gehen mit großer Auswahl und soliden Kenntnissen, um die Skischuhe an anspruchsvollen Füßen anzupassen. Eine korrekte Anprobe beginnt immer mit der Messung der Länge und Breite des Fußes, sowie eine allgemeine Bewertung von Sachen wie Fußsohle, Volumen und Waden. Außerdem spricht man über den Fahrstil und wie man die Skischuhe anwenden möchte. Diese Fakten führen meistens dazu, dass fast alle Modelle aussortiert werden und nur 2-3 Alternativen übrig bleiben, welche mit großer Sicherheit ausgesprochen gute Skischuhe sein werden – und dann liegt es an Ihnen auszumachen, welches Paar Ihren Geschmack trifft.

 

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